Die Gemeinde Körle hat in Abstimmung mit der Stadt Melsungen eine
Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die einen Anschluss der Körler
Kanalisation an die Kläranlage Melsungen prüft. Hintergrund: Die Kläranlage
Körle ist in wesentlichen Teilen ca. 40 Jahre alt und müsste in wenigen Jahren
für hohe Summen erneuert werden. Es wird nach einer wirtschaftlichen Alternative
zum Neubau einer eigenen Kläranlage gesucht.

Ca. 90 Bürger nahmen an der ca. 2 ½ stündigen Versammlung teil.
Die Zukunft der Abwasserreinigung stand auf der Tagesordnung der
Bürgerversammlung, zu der Gemeindevertretervorsitzender Klaus Siemon für
Donnerstag, den 26. Januar 2012, in die Berglandhalle eingeladen hatte.
Vorgestellt wurde eine Machbarkeitsstudie, die von der Gemeinde Körle in Auftrag
gegeben worden war, um einen Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen einem
Kläranlagenneubau in Körle und dem Anschluss an das Melsunger Klärwerk vornehmen
zu können. Anlass für eine solche Untersuchung sind umfangreichere Sanierungs-
und Erneuerungsarbeiten, die an der Körler Kläranlage in Kürze anstehen. Die
Anlage stammt aus dem Jahr 1968 und wurde in 1989 bereits einmal erweitert.
Bürgermeister Mario Gerhold erläuterte in der Bürgerversammlung, dass vor vier
Jahren die Erneuerung der so genannten Einlaufgruppe (Sandfang und Rechen) schon
einmal ausgeschrieben worden sei. Das Ausschreibungsergebnis lag mit 700.000
Euro doppelt so hoch wie kalkuliert, weshalb man seitens der Gemeinde Körle die
Ausschreibung aufgehoben und sich nach Alternativen umgesehen habe. Eine
Alternative sehe man im Anschluss der Körler Kanalisation an das Klärwerk
Melsungen. Dipl.-Ing. Georg Grodde vom Büro Hesse und Partner aus Kassel
erläuterte, dass die Kapazitäten des Melsunger Klärwerks einen Anschluss von
Körle zuließen. Positiv sei, dass für das Körler Abwasser schon eine
Anschlussmöglichkeit in Röhrenfurth bestehe, denn das Abwasser dieses Stadtteils
werde auch nach Melsungen gepumpt und die vorhandene Druckleitung ausreichend.
Für den Bau eines neuen Pumpwerks in Körle und die 4 km lange Verbindung nach
Röhrenfurth sowie die Umbauarbeiten am Körler Kanalnetz wurden 2,2 Millionen
Euro veranschlagt. Der Neubau einer Kläranlage schlage mit 3,0 Mio. Euro zu
Buche. Interessante Zahlen lieferte das Büro auch beim Betriebskostenvergleich.
So entstehe bei einer gemeinsamen Nutzung des Klärwerks Melsungen durch beide
Kommunen unter Berücksichtung aller Personal- und Betriebskosten, der
Abschreibungen usw. ein jährlicher Kostenvorteil für Körle von 110.000 Euro.
Der Bürgermeister erläuterte, dass die Gemeindevertretung einen
Grundsatzbeschluss gefasst habe, die den Anschluss nach Melsungen dem Vorzug
gibt gegenüber dem Bau oder der Ertüchtigung der eigenen Kläranlage. Auch das
Melsunger Parlament werde am 8. Februar voraussichtlich einen Grundsatzbeschluss
fassen und sich mit der Übernahme des Körler Abwassers in das Melsunger Klärwerk
bereit erklären. Eine Vereinbarung liege bislang nur als Entwurf vor. Es sei
stets die Absicht gewesen, die Bürger über die Pläne zu informieren und deren
Meinung zu berücksichtigen, bevor man sich vertraglich binde.
Die Fragen der rund 90 teilnehmenden Bürger bezogen sich in der Tat darauf,
ob man sich nicht mit dem geplanten Anschluss in eine Abhängigkeit begebe. Auch
wurde darüber diskutiert, warum man einen Anschluss nach Melsungen plane, obwohl
Richtung Guxhagen kein Höhenunterschied zu überwinden sei. Bürgermeister Mario
Gerhold erläuterte, dass eine Vereinbarung wahrscheinlich auf 20 Jahre
geschlossen würde. Die Stadt Melsungen gehe die Verpflichtung ein, das Körler
Abwasser zu einem festgelegten Preis zu übernehmen. Im Rahmen der allgemeinen
Preissteigerung oder für den Fall, dass sich rechtliche Rahmenbedingungen
grundlegend änderten, müsse die Stadt aber das Recht haben, den Preis
anzupassen. Dieses Risiko habe man aber mit einer eigenen Kläranlage auch, sagte
Gerhold. Die Frage, warum nicht auch Richtung Guxhagen untersucht wurde,
erläuterte Dipl-Ing. Grodde wie folgt: Guxhagen hat keine eigene Kläranlage und
pumpt das dort anfallende Abwasser selbst nach Edermünde. Um hier anschließen zu
können, müsse man den Stiegberg überwinden. Dies sei, abgesehen von der
Kapazitätsfrage der Edermünder Anlage, auf den ersten Blick keine
wirtschaftliche Lösung.
Schließlich stellte Bürgermeister Mario Gerhold eine
Gebührenvergleichsberechnung vor. Durch die nötigen Investitionen würde sowohl
beim Anschluss nach Melsungen als auch beim Neubau der eigenen Kläranlage, die
Abwassergebühr steigen (momentaner Preis 3,15 Euro). Nach heutigem Kostenstand
müsste die Abwassergebühr unter Berücksichtigung der Investitions- und
Betriebskosten bei der Variante 1 (Anschluss nach Melsungen) 3,65 Euro betragen,
für die Variante 2 (Neubau eigene Kläranlage) 4,12 Euro.
Die Finanzierung der wirtschaftlicheren Variante 1 sei noch zu entscheiden.
Es käme sowohl eine Finanzierung über die Abwassergebühr, als auch eine
Beitragsveranlagung aller Grundstückseigentümer in Frage. Sollte sich die
Gemeindevertretung für einen Abwasserbeitrag entscheiden, spiele die zulässige
Zahl der Vollgeschosse eine Rolle für die Höhe des Beitrags. Bei der
Beispielrechnung für ein 800 qm großes Grundstück, welches max. mit zwei
Vollgeschossen bebaut werden kann, wäre ein Beitrag von ca. 1.100 Euro zu
zahlen.
Sollte das Melsunger Parlament den Grundsatzbeschluss im Februar fällen,
werde man die Vereinbarung bis zum Frühjahr schließen und sich um alle
Genehmigungen kümmern, sagte der Bürgermeister zum Zeitplan. Evtl. wäre ein
Baubeginn noch in diesem Jahr möglich.
Den Vortrag des Ingenieurbüros zum
Vergleich der beiden Varianten finden Sie hier