Die Geschichte unserer Dörfer und die Lebensumstände der früherer Bewohner
bergen noch viele interessante Geheimnisse. Ein guter Grund, dass sich Menschen
mit diesem Thema befassen. Im Jahr 2009 hat sich auf Initiative des
Heimatforschers Heinz Rüdiger und des Bürgermeisters Mario Gerhold ein
"Arbeitskreis Körler Heimatgeschichte" zusammen gefunden.
Heinz Rüdiger,
der sein exzellentes Wissen um die Heimatgeschichte in Form von Kurzberichten im
Wochenspiegel wiedergibt, hat zwischenzeitlich eine Liste möglicher
Themenbereiche für den Arbeitskreis Heimatgeschichte angefertigt. Für den AK, im
dem mehrere Gruppen oder Personen parallel arbeiten könnten, sind folgende
Themen denkbar:
- Wie lese ich ältere Urkunden ?
Erkennen von Schrift und
Maßgaben
Akten des Körler Archivs von 1770 bis 1910
Sichtung der bereits
erschienenen Schriften
- Ältere Geschichte
a) Das Körler Rittersgeschlecht
b) Die
Wehrkirche
c) Das Gericht Körle
d) Bau der Körler Mühlen (1480 und
Folgejahre)
- Körle im 19. Jahrhundert
a) Der Canton Körle
b) Die Auswanderer –
Was veranlasste die Menschen, ihre Heimat zu verlassen ?
c) Bau der
Eisenbahn und die damit verbundene Entwicklung im Dorf
- Die neuere Geschichte
a) Das Dorf während der Weimarer Republik
b)
Das Dorf während des so genannten „3. Reiches“
c) Die ersten Jahre nach dem
Krieg
d) Die Veränderung des Dorfbildes
e) Der Wandel in der
Landwirtschaft
- Die Körler Schule von der Ersterwähnung (1610) bis heute
- Erkundungsgänge in der Körler Gemarkung – Spuren der verschiedenen
Geschichtsepochen (Hüneburg, Schanze, Gräber usw.) – Flurnamen und ihre
Bedeutung
- Exkursionen
Es sollen möglichst alle Ortsteile in die Arbeit einbezogen werden. Für April
2009 ist außerdem eine Exkursion zur Hüneburg oberhalb von Empfershausen unter
der Führung von Kurt Maurer geplant. Weiterhin wird innerhalb der nächsten drei
Monate eine Fahrt zum Staatsarchiv in Marburg mit dortiger Führung organisiert.
Für Auskünfte zum Arbeitskreis Heimatgeschichte stehen Heinz Rüdiger Tel.
05665/3978 oder Bürgermeister Mario Gerhold Tel. 05665/9498-0 zur
Verfügung.
Am 18. April 2009 fand eine heimtkundliche Exkursion zum Grünen See statt,
die von Kurt Maurer aus Melsungen begleitet wurde. Herr Maurer hat nun eine
schriftliche Zusammenfassung seiner Erkenntnisse erstellt, die auf einer
Internetseite des Geschichtsvereins Melsungen zu finden sind.
Sie gelangen hier zu der Seite "Geschichtliches am Grünen
See"

In Juli 2009 jährte sich zum 40. Mal ein Ereignis, das vielen Einwohnern noch
in schlechter Erinnerung ist. Am 17. Juli 1969 wurde nach einem schweren
Unwetter weite Teile von Körle und Empfershausen überflutet. Die folgende
Darstellung dieser Unwetterkatastrophe ist dem Buch „900 Jahre Körle“ entnommen
und wurde damals von Karl Suck verfasst:
Ein Tag voller Angst und
Schrecken war für die Körler Einwohnerschaft der 17.Juli 1969. An diesem
Donnerstag bewölkte sich nach einem heißen und schwülen Vormittag nachmittags
der Himmel. Ein schweres Gewitter zog sich zwischen Quiller und Söhre zusammen.
Gegen 15.30 Uhr setzte ein starker Wind ein. Blitze und Donner, Regengüsse und
Hagelschauern vereinigten sich zu einem höllischen Inferno. Ein Wolkenbruch
außergewöhnlichen Ausmaßes ging über den Einzugsgebieten der Trockenen Mülmisch
und der Nassen Mülmisch nieder.
Der Boden konnte die aus den Wolken
stürzenden Wassermassen nicht mehr fassen, so dass die Rinnsale, Flutgräben und
Feldwege in kurzer Zeit zu Bächen und die beiden Mülmischbäche zu reißenden
Flüssen anschwollen. Zweieinhalb Stunden tobte sich das Unwetter zwischen Söhre
und Quiller aus. Dreimal hintereinander prasselten gewaltige Regengüsse
hernieder. Gegen 16.30 Uhr heulten die Alarmsirenen des Ortes auf. Mit einem
1,30 m hohen Wasserstand wälzten sich die Wasserfluten der Trockenen Mülmisch
durch die Ecke über die Bundesstraße hinweg in das untere Dorf. Der Bachweg
glich einem wildaufschäumenden tobenden Flusse zur Schneeschmelze. Die
Wassermassen vom Busch und vom Kirchplatze suchten in breiter Form ihren Weg
durch die Kuhgasse.
Im neuen Weg raste das Wasser aus dem Hainsgraben kommend talwärts über die
Nürnberger Straße in den Hilgenweg und zum Bahnhof. In kurzer Zeit war auch hier
die B 83 nicht mehr befahrbar, da kniehoch das Wasser die Fahrbahn blockierte.
Durch die Schlamm- und Schuttablagerungen an den Seiten des strömenden Wassers
bildeten sich Dämme, wodurch auf der B 83 zwischen dem Gasthaus „Zur Krone“ und
der Raiffeisenkasse, zwischen der Dorflinde und dem Gasthaus zum Bahnhof, noch
nach dem Unwetter das Wasser stand. Die schlimmsten Verheerungen verursachte das
Wasser durch Kraterbildungen in der Bachwiese, in der Ecke und im Unterdorf. Das
angetriebene Schwemmgut ( Autowracks, Jauchenfässer, Handwagen, Holzscheite ,
Pfosten, Pfähle, Gartenzäune usw. ) bildeten vor der Bahnbrücke hinter dem
Feuerwehrturm eine regelrechte Sperrmauer, so dass im Raume vom Hof Scheffer-
Jütte längs des Hilgenweges – Hof Jacob – bis zum Anwesen Geyer ein Stausee
entstand.
Am längsten stand das Wasser auf dem Hofe des Bauern Jacob, sowie
im Hilgenweg bis zum Hause Werner, da der Durchlass unter der Bahnbrücke durch
das angeschwemmte Strandgut vollkommen verstopft war. Die Kraft des ankommenden
Wassers aus der Ecke war so groß, dass die Nürnberger Straße unterspült und die
Betondecke des regulierten Mülmischbaches längs des unteren Bachweges durch den
Druck gehoben und in Stücke gerissen wurde. Weiter wurde der Schotter unter den
Eisenbahnschwellen weggeschwemmt und somit die Gleisanlage völlig
zerstört.
Am Freitag, dem 18.07. wurden durch Ausschellen alle Männer zum
freiwilligen Arbeitseinsatz aufgerufen. Die Herren der Gemeindevertretung gingen
mit gutem Beispiel voran. An dieser Stelle soll der selbstlose Einsatz der
freiwilligen Arbeitskräfte, die beim Entschlammen der Keller, bei der
Beseitigung der Schutt- und Geröllmassen auf den Höfen, Wegen und Straßen, bei
der Entleerung des vollkommen verstopften Kanalrohre, bei der Abfahrt des
Schwemmgutes, so tatkräftig geholfen haben, anerkennend gewürdigt werden. Auch
die Trinkwasserversorgung war gefährdet, da im Quellgebiet der Bachwiese durch
Wassereinbrüche die Hauptleitung an zwei Stellen unterbrochen war.
Am
19.07. unterrichtete Bürgermeister Karl Knaust und einige Herren der
Gemeindevertretung sowie Verbandsanwalt Konrad Jacob, den Staatsminister Hemsat
als auch Landrat Baier über den durch das Unwetter angericheteten Schaden.
Außerdem informierte Herr Jacob Herrn Staatssekretär Seiboth vom
Landwirtschaftsministerium über die Verwüstung der Feldwege. Der Bahnverkehr
nach Melsungen musste wegen der geborstenen Bahnbrücke über der Nassen Mülmisch
vorübergehend eingestellt werden. Zur Instandsetzung der vollkommen aufgewühlten
Wege in der Ecke und am Bachweg setzte man Räumbagger ein, da Menschenkraft mit
Hacke und Schaufel nicht ausreichte. Auch am Sonntag arbeiteten noch die Wehren
von Körle, Wagenfurth und Lobenhausen mit den freiwilligen Helfern, um die
Straßen und Wege vom letzten Schlamm zu reinigen. Selbst die ältesten Einwohner
des Ortes konnten sich an eine Überschwemmung solchen Ausmaßes nicht entsinnen.
Ein Glück, dass dieser Wolkenbruch nicht in der Nacht niederging. (Quelle:
Chronik "900 Jahre Körle" 1974)
Heinz Rüdiger hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Forschungen im
Gemeinde- und Staatsarchiv betrieben und gibt die Erkenntnisse in Form von
Kurzberichten wieder. Nachfolgend haben wir die Berichte aufgelistet
(Word-Dokumente -bitte anklicken-):